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„Systeme im Wandel –
Systeme verändern“

Gestaltungsräume - Werte - Handlungserfordernisse

Zeit: 20. bis 22. November 2019 / Ort: Ringberg Hotel Suhl

Können sich Systeme wandeln bzw. wie kann das gelingen und inwieweit sind sie gezielt veränderbar? Wie veränderungsbereit ist jede_r von uns selbst? Wie hartnäckig sind bestehende Strukturen und unter welchen Voraussetzungen wandeln sich Haltungen und Einstellungen im Sinne einer inklusiven Gesellschaft? Welche Werte, Gestaltungsräume und Handlungserfordernisse braucht es dazu und wie lange dauert das eigentlich? Die Bilanz nach 10 Jahren UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) fällt gemischt aus. So bewertet das die Monitoringstelle UN-BRK des Deutschen Instituts für Menschenrechte in ihrer Analyse „Wer Inklusion will, sucht Wege“ (März 2019). Danach hat die UN-BRK zwar „enorme programmatische Akzente“ gesetzt, aber gleichwohl „muss es im Wesentlichen darum gehen, einer Stagnation oder Umkehr der Inklusionsdynamik entgegenzuwirken.“ Kritisch wird angemerkt, dass die „Förderung von Schüler_innen mit Förderbedarf fast unvermindert in Sondereinrichtungen stattfindet“ und „auch die Zahl der Werkstattbeschäftigten sich stetig erhöht hat.“ Die Bewertung der Monitoringstelle fällt eindeutig aus: „Nur ein Teil von Politik und Gesellschaft nimmt den Auftrag der UN-BRK bislang an und setzt ihn praktisch um, während andere gesellschaftliche Kräfte absichtlich oder unabsichtlich dem Ziel einer inklusiven Gesellschaft entgegenwirken.“ Gefordert wird, „die zum Teil immer noch bestehende soziale und strukturell angelegte Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen, auch wenn sie mitunter als ‚Inklusion‘ betitelt wird, zu überwinden.“ Die Analyse schließt mit den Worten: „In ihrer Rechtsverbindlichkeit liegt die Kraft der UN-BRK, sie zeigt die nicht eingelösten gesellschaftspolitischen Versprechen gegenüber dem Individuum auf. (…) Ob allerdings dieses enorme Innovationspotenzial in der kommenden Dekade weiter zur Entfaltung gebracht werden kann, hängt vom politischen Willen und der gemeinsamen Kraftanstrengung ab.“

Mit dem Inkrafttreten des SGB IX 2001 und zuletzt mit dem Bundesteilhabegesetz (2018) wurden viele Neuerungen gesetzlich verankert, die die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt verbessern (sollen): Integrationsfachdienste, Inklusionsbetriebe, Persönliches Budget, Arbeitsassistenz, die Maßnahme Unterstützte Beschäftigung, Berufsorientierung im Übergang Schule-Beruf, ausgelagerte Berufsbildungs- und Arbeitsplätze der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), andere Leistungsanbieter, das Budget für Arbeit etc. Sicher gute und sinnvolle Angebote, die die Wahlmöglichkeiten erweitern. Diese Angebote werden jedoch oftmals nicht miteinander verzahnt oder unzureichend genutzt. Unser Reha-System weist, insbesondere dann, wenn nacheinander verschiedene Leistungsträger zuständig sind, nach wie vor Widersprüche und Lücken auf. Die Gründe dafür sind vielseitig. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Der Integrationsfachdienst (IFD) wurde nach Modellerprobungen in verschiedenen Bundesländern im Oktober 2000 rechtlich verankert. Er soll für Arbeitslose, Schulabgänger_innen und Übergänger_innen aus WfbM sowie Betriebe die Leistungen Vermittlung, Qualifizierung und Arbeitsplatzsicherung - beauftragt durch die zuständigen Leistungsträger - wie aus einer Hand anbieten. Nicht zuletzt die Ausschreibungsproblematik behindert die Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgaben und des erprobten Konzepts. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) weist in ihrem Bericht zur Entwicklung der IFD 2013-2017 kritisch darauf hin, dass die Beauftragungen der Träger der Arbeitsvermittlung (v.a. Bundesagentur für Arbeit) im Bereich IFD-Vermittlung – trotz guter Vermittlungsquoten (über 40%) – zwischen 2010 und 2017 um 90% (!) zurückgegangen sind. Dabei zeigt die BIH einen Zusammenhang auf: Bei Zunahme der IFD-Beauftragung durch die Träger der Arbeitsvermittlung sinkt die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen - bei Abnahme der IFD-Beauftragung steigt die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen. Eine Abnahme der Beauftragung der IFD reduziert somit erheblich die Teilhabechancen der Zielgruppe der IFD. Die Unterstützung aus einer Hand ist Geschichte - das „Rad“ wird immer wieder neu erfunden anstatt bewährtes zu verstetigen.

Ungeachtet zunehmender Wahlmöglichkeiten werden Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen nach wie vor unzureichend informiert, mögliche Wege und Angebote vorenthalten sowie von Leistungsträgern oft nicht auf „Augenhöhe“ beraten. Eine personenzentrierte Haltung aller Akteure ist somit noch nicht ausreichend umgesetzt. Es gibt somit noch einiges zu tun. Orientierung bietet hier die „gute Praxis“. Die finden Sie wieder auf unserer Jahrestagung in verschiedenen Workshops und Beiträgen, die sich sowohl mit Herausforderungen als auch mit Schritten des erforderlichen und erprobten Wandels beschäftigen.

Wir laden Sie herzlich ein zum Fachaustausch und Netzwerkknüpfen mit Referent_innen und anderen Gästen.

Wir wünschen Ihnen inspirierende Begegnungen, Gespräche und Kontakte sowie vielseitige Eindrücke!

Team und Vorstand der BAG UB

 

Die Veranstaltung ist unterteilt in Vorkonferenz (20.11.2019 ab 14.00 Uhr) und Hauptkonferenz (21.-22.11.2019 ab 13.00 Uhr).
Am Vormittag des 21.11.2019 findet die Mitgliederversammlung der BAG UB statt.

Download des Programms als pdf und Anmeldung

 

Vorkonferenz Mittwoch 20.11.2019        

Ab 12.30 Uhr: Mittagsimbiss

14.00 Uhr – 18.30 Uhr: Methodische Workshops mit Pause

1. Gemeinsamer Auftakt der unterstützten Arbeitnehmer_innen

Hier treffen sich die unterstützten Arbeitnehmer_innen zum Kennenlernen. Der Ablauf der Tagung und die inklusiven Workshops werden vorgestellt und es wird über das Tagungsthema diskutiert.

- Doris Haake (Mensch zuerst, Hamburg), Angelika Thielicke (spectrum e.V./ BAG UB)

Tagungsbegleitende Kreativ-Workshops I (inklusiv)

Es stehen vier tagungsbegleitende Workshops zur Auswahl: ein Film-Workshop, ein Theater-Workshop, ein Musik-Workshop und ein Kreativ-Workshop. Sie finden parallel zu den anderen Angeboten während der Tagung statt (Mittwoch bis Freitag). Am Freitag werden die Workshopergebnisse beim Abschlussforum präsentiert. Die Workshops sind für alle Tagungsteilnehmenden offen. Die Teilnahme am Film- bzw. Theater-Workshop nur während einer der drei Workshopphasen ist nicht möglich. Theater- und Filmworkshop arbeiten auch während der Plenumsveranstaltungen am Donnerstag.

- Silke Baltzer und Doris Ebert (ACCESS Integrationsbegleitung Erlangen-Nürnberg-Bamberg), Robert Kruschel und David Jahr (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Christoph Kaiser (Schauspieler u. Theaterpädagoge) und Eleonore Frölich (Comeniusschule Schwetzingen), Josua Mette und Sebastian Pitz (spectrum e.V.) und Doris Haake (Mensch zuerst, Hamburg), Angelika Thielicke (spectrum e.V./ BAG UB)

2. „Hier geht’s um meinen beruflichen Weg!“ - Wie Ideen und Methoden der Persönlichen Zukunftsplanung die berufliche Planung bereichern können - Ein Mitmach-Workshop

In diesem Workshop können Fachkräfte und unterstützte Arbeitnehmer*innen die Ideen von Persönlicher Zukunftsplanung kennen lernen. Bei Persönlicher Zukunftsplanung geht es um diese Fragen:

- Carolin Emrich (beraten. begleiten. zukunft gestalten, Bremen)

 3. „Dialog der Wertschätzung“ als Arbeitsfähigkeitsdialog. „Schön, dass Sie da sind!“ Fürsorge ganz konkret: Achtsam. Klar. Klärend.

Meine langjährigen Erfahrungen im BEM (Betriebliches Eingliederungsmanagement) zeigen, dass das BEM erst dann nachhaltig ist, wenn es mit anderen Instrumenten von guter Führung und dem BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) begleitet wird. Der „Dialog der Wertschätzung“ durch die Führungskräfte bei Krankheit wie aber auch bei anderen Abwesenheiten ist Teil der Unternehmenskultur. Für viele Führungskräfte ist es auch ein Paradigmenwechsel in der Führungsaufgabe, der gar nicht so leicht gelingt. Denn es geht um eine proaktive Rolle der wertschätzenden Kommunikation von Seiten der Führung – mit allen Mitarbeitenden! Werte – Worte – Taten: Gesundheitsgespräche im „Dialog der Wertschätzung“ sind keine Kritik- oder disziplinarischen Gespräche und dienen auch nicht der arbeitsrechtlichen Eskalation bei Krankheit. Dem/Der Mitarbeitenden soll deutlich werden, dass man seine Abwesenheit wahrnimmt und der Mensch - nicht nur die damit verbundene Arbeitskraft - vermisst wurde. Der/Die Mitarbeitende erfährt, dass der/die Vorgesetzte sich um ihn/sie kümmert. Wertschätzung verbessert die Konzentration und Leistungsfähigkeit – reduziert Ängste – führt zu gestiegenem Wohlbefinden – stärkt die Gesundheit. Auch wenn es um eine Führungsaufgabe geht: Wie können Sie als begleitende Fachkraft (Dienstleister zur Teilhabe am Arbeitsleben) den „Dialog der Wertschätzung“ nutzen?

Gehen Sie mit mir in den Prozess des „Dialogs der Wertschätzung“. In einem Impulsreferat möchte ich Ihnen die vielfältigen Facetten des Dialogs der Wertschätzung aufzeigen. In kleinen Übungen lade ich Sie zu dem Perspektivwechsel ein. Gemeinsam betrachten wir die Übertragbarkeit in die unterschiedlichsten Aufgaben – ob als Führungskraft oder als begleitende Fachkraft.

- Barbara Lux. (Dipl. Sozialarbeiterin, Sozialwissenschaftlerin, Betriebswirtin. Mediatorin (BM) Geschäftsführerin LuxConsulting – Unternehmens- und Bildungsberatung in Hamburg. Expertin im BEM seit 2008. Referentin in den BAG UB Projekten „Karriereplanung inklusive“ und „Talent-PASS“)

4. Unterstützte Beschäftigung – Einführung in Grundlagen, Chancen und Methoden

Unterstützte Beschäftigung (UB) wurde als Konzept der beruflichen Teilhabe für Menschen mit Behinderung in den 1980er Jahren in den USA entwickelt. Seit den 1990er Jahren wird es im Übergang von der Schule oder der WfbM in den allgemeinen Arbeitsmarkt, von Integrationsfachdiensten (IFD) und anderen Fachdiensten im Bereich der beruflichen Teilhabe genutzt, seit 2009 zudem in der Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung" nach § 55 SGB IX. Mit der UB werden Wahlmöglichkeiten geschaffen und Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg in ein möglichst selbstbestimmtes Leben unterstützt. Kernelemente sind die individuelle Berufsplanung, die Qualifizierung im Betrieb, Jobcoaching und die Entwicklung passgenauer Arbeitsplätze sowie bei Bedarf eine langfristige Unterstützung am Arbeitsplatz. Im Workshop werden Grundlagen und Methoden des Konzepts UB sowie die Grundzüge der Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung" nach § 55 SGB IX vorgestellt. An konkreten Praxisbeispielen reflektieren und diskutieren die Teilnehmenden Umsetzungsmöglichkeiten für die eigene Arbeit. Der Workshop wendet sich an „Neulinge in der UB, unabhängig davon, ob sie mit dem Konzept oder im Rahmen der Maßnahme UB arbeiten. Inhalte des Workshops:

- Birgit Nickel und Kirsten Hohn (BAG UB)

5. Qualitätsnetzwerk JobcoachingAP – Forschung, Praxis und nächste Schritte

Seit der letzten Jahrestagung in Bad Honnef hat sich im Qualitätsnetzwerk JobcoachingAP der BAG UB viel getan. Die Definition von JobcoachingAP sowie die Qualitätsstandards wurden intensiv diskutiert, überarbeitet und im Mai 2019 veröffentlicht (https://www.bag-ub.de/qualitaetsnetzwerk-jobcoaching). Auf dem letzten Fachtreffen des Qualitätsnetzwerkes im Juli 2019 in Kassel wurden bereits erste Schritte zur Verbreitung der Arbeitsergebnisse geplant und an deren Umsetzung gearbeitet. Auf der diesjährigen Jahrestagung der BAG UB werden wir uns mit drei Themenschwerpunkten beschäftigen:

  1. Impuls aus der Wissenschaft: Das Forschungsprojekt JADE (Jobcoaching zur Arbeitsplatzsicherung definieren und evaluieren) lotet am Beispiel der Analyse- und Planungsphase die Standards an ihren Grenzen aus. Welche Anforderungen an die Zusammenarbeit des Unterstützungssystems (Integrationsamt, Integrationsfachdienst und Jobcoaches) ergeben sich? Wo zeigen sich Ausnahmen?
  2. Praxistest: In diesem Themenschwerpunkt steht die gemeinsame Auseinandersetzung und Vertiefung zur Definition und zu den Standards von JobcoachingAP im Mittelpunkt. Sehen die Teilnehmenden ihre Praxis gut beschrieben? Wo zeigen sich Grenzen in der Umsetzung und wie können wir damit umgehen?
  3. Verbreitung und Vernetzung: Gemeinsam werden konkrete Schritte der Verbreitung der Standards in den Fokus genommen. Wie haben sich die Vorhaben aus der Tagung des Qualitätsnetzwerkes im Juli 2019 in Kassel entwickelt? Auf welchem Stand ist die Idee regionaler Netzwerke? Wie sieht das Onlineforum für die Vermittlung von Nachfragern und Anbietern von JobcoachingAP aktuell aus? Wie werden die Definition und Standards von Leistungsträgern wahrgenommen?

Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen und die gemeinsame Weiterentwicklung von JobcoachingAP im Rahmen des Qualitätsnetzwerkes JobcoachingAP.

- Reinhard Hötten (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, Forschungsprojekt JADE), Thorsten Hirsch (Jobcoach, Ergotherapeut Bc. of Health in OT, Systemischer Berater (SG), IFB - Institut für berufliche Qualifizierung und Entwicklung, Nottuln/Münsterland), Britta Leßmann (Jobcoach, Systemischer Coach und Prozessberaterin, Supervisorin SG, Osnabrück), Ilja Lilienthal (Hamburger Arbeitsassistenz), Jörg Bungart (BAG UB) / Gäste: Hartmut Baar (LWL-Inklusionsamt Arbeit, Münster), Oliver Assmus (Deutsche Rentenversicherung Bund, angefragt), Jens Hansen (vormals Zentrale der Bundesagentur für Arbeit)

6. „Wie läuft das denn bei euch?" – IFD-Vernetzung in Länder-speziellen Zeiten

In diesem Workshop möchten wir einerseits den bundesweiten Austausch moderieren, die Kernkompetenzen des IFD herausarbeiten und auch die Abgrenzung zur Ergänzenden unabhängigen Teilhabe-Beratung EUTB sichtbar machen. Zunächst sollen die Teilnehmer_innen kurz vorstellen, aus welcher Region sie sind, welchen Auftrag sie haben, welche Finanzierung, welches Dokumentationssystem und welchen Aufgabenbereich (Berufsbegleitung, Vermittlung, Übergang WfbM, Übergang Schule usw.). Wir berichten und diskutieren aktuelle Entwicklungen wie „Ausschreibung der IFD-Leistung", verpflichtende elektronische Dokumentationsverfahren wie „KLIFD 4.0", „3in" und andere. Das QM-System KASSYS wird gerade neu bearbeitet – das bedeutet das? Im Schwerpunkt Berufsbegleitung wollen wir auch darüber sprechen, was im ältesten Bereich der IFD-Arbeit noch für Gemeinsamkeiten bestehen – und was möglicherweise beispielhaft ist und für die Zukunft Impulse geben kann. Aber auch der möglichst lebendige Austausch über Alltagserfahrungen und zukunftsweisende Beispiele und Modelle soll nicht zu kurz kommen – und möglichst auch Anstöße für die Arbeit im IFD bringen.

- Manfred Becker (IFD-Berufsbegleitung für Menschen mit psychischen Beeinträchtigung Köln), Angela Ulrich (integra Lübeck), Sylvia Rothbart (ARINET GmbH Hamburg)

7. Herausfordernde Situationen mit Arbeitgeber_innen

In diesem Mitmach-Workshop haben Sie die Möglichkeit sich mit 4 Facetten von herausfordernden Situationen mit Arbeitgeber_innen aktiv auseinanderzusetzen.

Zu jeder Facette bieten wir eine andere Herangehensweise an:

  1. Wir setzen uns gemeinsam mit den Stellschrauben für erfolgreiche Akquisegespräche, die wir selbst steuern können, auseinander.
  2. Wir informieren über Haltung und Technik des kontaktfördernden Umgangs mit Einwänden in Verhand-lungen, Beratungs- und Akquisegesprächen, und wir erproben dies an realistischen Beispielen.
  3. Wir beleuchten Ihre konkreten herausfordernden Situationen mit Arbeitgebern mit der Methode der kollegialen Fallberatung.

Wir simulieren und erproben Gesprächsstrategien anhand realer Situationen aus Ihrer täglichen Praxis.

- JL-Trainer-Team: Jürgen Länge (JL-Training & Beratung, München), Carina Heim (Heinrich Kimmle Stif-tung, Pirmasens), Christoph Korte (Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista), Marburg); Markus Holen-stein (Stiftung Stöchenweid, Feldmeilen; CH)

8. Inklusive Beschäftigung von Menschen aus dem Autismusspektrum auf dem 1. Arbeitsmarkt - ein Workshop zum überregionalen Erfahrungsaustausch

Durch das Bundesteilhabegesetz wurden mit Wirkung ab dem 1.1.2018 zwei neue Tatbestände betreffend die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in das SGB IX eingefügt: § 60 SGB IX, Andere Leistungsanbieter und § 61 SGB IX, Budget für Arbeit. Einen Rechtsanspruch auf die Leistungsform des Persönlichen Budgets für Teilhabeleistungen gibt es seit 1.1.2008. Bei den genannten Rechtsansprüchen handelt es sich um bundeseinheitliches Recht. Das föderale System der Bundesrepublik bringt es jedoch mit sich, dass trotz der Verankerung des Teilhaberechts auf Bundesebene verschiedene länderspezifische Lösungen zur Umsetzung beruflicher Teilhabe existieren. Es kommt auch vor, dass Leistungsträger wie beispielsweise die Agentur für Arbeit als selbst verwaltete Körperschaft des öffentlichen Rechts den Umgang mit Teilhabeleistungen oder der Leistungsform des persönlichen Budgets regional unterschiedlich handhaben. Diese Situation scheint besonders im Bereich Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen aus dem Autismusspektrum deutlich ausgeprägt zu sein. Aus diesem Anlass möchten wir im Rahmen eines Workshops die Gelegenheit zum länderübergreifenden Erfahrungsaustausch und zur Bestandsaufnahme geben. Inhaltlich angesprochen sind hier besonders Dienstleister und Initiativen, die entsprechende Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben anbieten und Gruppen, sowie aktive Menschen aus dem Bereich der Selbsthilfe. Auch (potentielle) Nutzer von Teilhabeleistungen sind recht herzlich zum Erfahrungsaustausch eingeladen. Neben dem Erfahrungsaustausch ist es ein Ziel des Workshops zu diskutieren, ob ein Bedarf an einem regelmäßigen Austausch zu den Themenfeldern des Workshops unter dem Dach der BAG UB besteht.

Der Workshop beginnt mit einem kurzen Input zur Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Autismus. Anschließend diskutieren die Teilnehmenden im Plenum bzw. Arbeitsgruppen Themenschwerpunkte nach Interessenlage. Bisher sind Arbeitsgruppen zu den Themenbereichen vorgesehen: *Bestandsaufnahme: Zusammenarbeit mit Leistungsträgern *regionale Angebote zur Teilhabe am Arbeitsleben *Netzwerkarbeit *trägerübergreifende Zusammenarbeit und Projekte *politische Rahmenbedingungen und Unterstützung. Noch nicht berücksichtigte, aber wichtige Themen zur Diskussion in Arbeitsgruppen können zu Beginn des Workshops ergänzt werden.

- Christoph Giloi (Projektleitung Autismus, Inklusion, Arbeit / Autismus-Therapie-Zentrum Saar gGmbH), Christian Frese (autismus Deutschland e.V. - Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus)

9. Musterwechsel - Organisationen anders machen

In diesem Workshop wollen wir mir den Teilnehmer_innen gemeinsam über die Entwicklung ihrer Organisationen und von Bildern über Hilfe nachdenken. Am Anfang stellen wir ein Rahmenkonzept vor, das die Verzahnung der Paradigmen von Hilfen und Organisationen darstellt und somit eine Vorortung der Teilnehmer_innen ermöglicht, wo sie und ihre Organisationen sich aktuell befinden. Gemeinsam möchten wir dann gern herausfinden, welche Absichten treiben uns an (unsere) Organisationen verändern zu wollen und welche Möglichkeitsräume sich bereits jetzt auftun. Durch diesen Austausch geht es uns zuerst darum gemeinsam die Vielfalt von Organisationsbildern und Menschenbildern sowie ihre Möglichkeiten und Grenzen sichtbar zu machen. Danach wollen wir gemeinsam schauen, was sich ändert, wenn wir primär die Perspektive von den Nutzer_innen einnehmen und daraus das Organisieren ableiten. Nach dieser Erfahrung werden wir gemeinsam nächste Schritte für den Wandel der eigenen Organisationen ableiten.

- Dr. Oliver Koenig Universität Wien) und Prof. (FH) Mag. Thomas Schweinschwaller (Vielfarben Beratung und Training, Wien)

ca. 19.30 Uhr: Abendessen

 

Hauptkonferenz Donnerstag 21.11.2019

9.00 – 12.00 Uhr: Mitgliederversammlung der BAG UB

ab 12.00 Uhr: Mittagsimbiss

13.00 Uhr: Tagungseröffnung - Begrüßung zur Fachtagung der BAG UB

- Angelika Thielicke (1. Vorsitzende der BAG UB)

13.10 Uhr: Standortbestimmung - „Teilhabe am Arbeitsleben - Wo stehen wir nach 10 Jahren UN-Behindertenrechtskonvention?“

- Richard Fischels (Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

13.30 Uhr: Fachvortrag - „Inklusion braucht politische Wiederbelebung - Anmerkungen zur drohenden Entpolitisierung eines Menschenrechtsprojekts“

- Prof. Dr. Uwe Becker (Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe - Bochum)

14.10 Uhr – 14.30 Uhr: Pause

14.30 Uhr: Offenes Forum - Diskussion - "Systeme im Wandel - Systeme verändern"

- Richard Fischels (Bundesministerium für Arbeit und Soziales), Stefan Göthling (Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V.), Prof. Dr. Uwe Becker (Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe - Bochum), Prof. Dr. Stefan Doose (Fachhochschule Potsdam), Claudia Reif (Bereichsleiterin Rehabilitation Bundesagentur für Arbeit, angefragt), Karl-Friedrich Ernst (Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen), Thomas Wedel (Boxdorfer Werkstatt Nürnberg / Vorstand BAG UB)

- Moderation: Jörg Bungart (BAG UB)

15.45 Uhr – 16.30 Uhr: Pause

16.30 Uhr – 18.30 Uhr: Präsentation und Diskussion

1. Tagungsbegleitende Kreativ-Workshops II (inklusiv)

Es stehen vier tagungsbegleitende Workshops zur Auswahl: ein Film-Workshop, ein Theater-Workshop, ein Musik-Workshop und ein Kreativ-Workshop. Sie finden parallel zu den anderen Angeboten während der Tagung statt (Mittwoch bis Freitag). Am Freitag werden die Workshopergebnisse beim Abschlussforum präsentiert. Die Workshops sind für alle Tagungsteilnehmenden offen. Die Teilnahme am Film- bzw. Theater-Workshop nur während einer der drei Workshopphasen ist nicht möglich. Theater- und Filmworkshop arbeiten auch während der Plenumsveranstaltungen am Donnerstag.

- Silke Baltzer und Doris Ebert (ACCESS Integrationsbegleitung Erlangen-Nürnberg-Bamberg), Robert Kruschel und David Jahr (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Christoph Kaiser (Schauspieler u. Theaterpädagoge) und Eleonore Frölich (Comeniusschule Schwetzingen), Josua Mette und Sebastian Pitz (spectrum e.V.) und Doris Haake (Mensch zuerst, Hamburg), Angelika Thielicke (spectrum e.V./ BAG UB)

2. Aspekte der Rentenversicherung beim Übergang von der WfbM auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und in das „Budget für Arbeit“ - ein Kurzüberblick

Der Wechsel von Menschen mit Behinderung aus der WfbM auf den allgemeinen Arbeitsmarkt bringt auch einen Wechsel innerhalb der Systematik der Rentenversicherung mit sich. Die Details hierzu sind den Beteiligten (bei den Einrichtungen und auch bei der Rentenversicherung) oft nicht wirklich bekannt, bzw. präsent. Dies führt häufig zu der falschen Aussage, der/die Beschäftigte „riskiere seine/ihre Rente“ mit der Folge, den Schritt lieber zu unterlassen und den Versuch erst gar nicht zu starten. Insbesondere Eltern und gesetzliche Betreuer ziehen oft die Sicherheit des Bekannten vor. Auch Aspekte zum „Budget für Arbeit“ werden beleuchtet. Inhalt des Vortrags ist ein Kurz-Überblick zu den rechtlichen Hintergründen. Einzelfälle können nicht behandelt werden.

- Thomas Wedel (BZB – Behindertenzentrum Boxdorf gemeinnützige GmbH, Nürnberg)

3. Modellprojekt RECOVER - Supported Employment im kliniknahen Umfeld

RECOVER ist ein Hamburger Modellprojekt zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ein zentraler Aspekt hierbei ist die frühzeitige Einbindung des Themas Arbeit in das Behandlungskonzept. Im Rahmen von RECOVER wird Arbeit nicht als Ergebnis des Genesungsprozesses, sondern als integraler Bestandteil dessen betrachtet. Der Workshop stellt die Einbettung des Supported Employment in das Modell RECOVER vor. Dabei liegt der Fokus auf der Verzahnung von psychotherapeutischer Behandlung und beruflicher Rehabilitation. Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus? Wir berichten von unserer bisherigen Projekterfahrung und stellen u.a. unterschiedliche Formen der Unterstützung sowohl bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz als auch bei einer beruflichen Neuorientierung dar. Im Workshop möchten wir mit Ihnen inhaltliche, ethodische und strukturelle Voraussetzungen erörtern und Ideen entwickeln, wie sich im Kontext des SGB V Elemente des Supported Employment erfolgreich umsetzen und verstetigen lassen.

- Michael Schweiger (ARINET GmbH Hamburg, Projektleitung RECOVER), Holger Heynen (ARINET GmbH Hamburg, Job Coach RECOVER)

4. Gesund und fit im Arbeitsalltag - Gesund und fit im Arbeits-Alltag

Schwere Sprache Gesundheit und Bewegung sind wichtig. Um diese Themen auch im Arbeitsalltag umzusetzen und zu leben, geben wir Ihnen in diesem Workshop entsprechende Handlungsempfehlungen mit. Das Ziel dieses Workshops ist es, auf die Themen Sport, Bewegung und Gesundheit aufmerksam zu machen und den Teilnehmenden die individuell passende Herangehensweise zu vermitteln, um Bewegung und eine gesunde Lebensweise auch bei der Arbeit einzubeziehen. Die Teilnehmenden erhalten Tipps und Tricks, wie man durch kleine Übungen und gesunder Lebensweise fit und gesund den Arbeitsalltag meistert.

Leichte Sprache
Bewegung ist wichtig.
So bleibt jeder gesund.
In diesem Workshop lernen Sie sportliche Übungen kennen.

Übungen sind zum Beispiel:

Sie erhalten Informationen zum Thema Gesundheit.
Sie erhalten auch Tipps zu einer gesunden Lebensweise.
Sie lernen in dieser Schulung

- Christina Adenäuer und Daniela Schulz (Special Olympics Deutschland, Berlin)

5. Nachhaltigkeit von Arbeitsplätzen in der „Unterstützten Beschäftigung“

Im BAG UB-Projekt „Unterstützte Beschäftigung – Nachhaltigkeit und Qualitätssicherung der Teilhabe am Arbeitsleben“ (2015-2019) wurde der Frage nachgegangen, wie sich Arbeitsverhältnisse weiterentwickeln, die im Anschluss an eine Teilnahme an einer Individuellen betrieblichen Qualifizierung (InbeQ, § 55 Abs. 2 SGB IX) entstanden sind. Das heißt wir beschäftigen uns mit den zentralen Kriterien der Berufsbegleitung nach § 55 Abs. 3 SGB IX bzw. der Arbeitsplatzsicherung für die Zielgruppe. Im Workshop stellen wir vor allem Ergebnisse der qualitativen Evaluation des Projektes vor und werfen einen Blick auf konkrete Beispiele der Praxis der Berufsbegleitung. Die Erfahrungen der Workshopteilnehmenden sollen in den Austausch im Workshop einfließen. Es geht um Fragen danach, was Fachkräfte der Berufsbegleitung tun, um die Arbeitsverhältnisse nach der InbeQ zu sichern. Und danach, was im Rückblick auf die InbeQ wichtig für die Vorbereitung von Arbeitsverhältnissen war. Auch strukturelle Fragen nach der Finanzierung, der Gestaltung des Übergangs von der InbeQ in die Berufsbegleitung oder der Zusammenarbeit der zentralen Akteur_innen finden ihren Platz im Workshop.

- Michael Metzdorf (IFD Bernau), Jan Siefken und Kirsten Hohn (BAG UB)

6. Positive Psychologie und Persönliche Zukunftsplanung

In diesem Workshop erhalten Sie einen Einblick in die vielfältigen Methoden der Positiven Psychologie und der Persönlichen Zukunftsplanung in Unterstützungskreisen sowie des personenorientierten Denkens und Handelns für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. Wir werden uns mit Erkenntnissen aus der Positiven Psychologie hinsichtlich der Funktion von positiven Emotionen, Selbstbestimmung, Stärken, Werten, Zielen und gelingenden Beziehungen für ein gutes, erfülltes berufliches Leben beschäftigen.

- Prof. Dr. Stefan Doose (Fachhochschule Potsdam)

7. Berufsorientierung und Berufsvorbereitung im Kontext von Inklusion – Herausforderung für pädagogische Fachkräfte im Übergang

Schulabgänger_innen sind durch den Wandel der nachschulischen Lebens- und Arbeitswelt mit wachsenden Herausforderungen bei der Bewältigung des Übergangs konfrontiert. Je niedriger die Qualifikationen der Jugendlichen sind, desto umfassender ist ihr Bedarf an Begleitung; sowohl bei der Vorbereitung dieser Transition als auch beim Einstieg in die Arbeitswelt. Zentral werden folglich insbesondere in der Arbeit mit behinderten und benachteiligten Jugendlichen die Fragen einer effektiven Berufsorientierung und Berufsvorbereitung/beruflichen Bildung. Gelten diese bereits generell als Herausforderung für die pädagogischen Fachkräfte in den Schulen und nachschulischen Institutionen, wird dies durch die Forderung der Inklusion verstärkt. Neben der steigenden Heterogenität der Schülerschaft und der Berücksichtigung der individuellen Bedarfe, gilt es die Inklusion über das Ende der Schulzeit hinaus zu denken und inklusive Anschlusslösungen an der Schwelle in eine berufliche Qualifikationsphase und den Einstieg in die Arbeitswelt zu realisieren. Anstelle von spezifischen Maßnahmen und exkludierenden Sondersystemen, tritt die (in einer Leistungsgesellschaft widersprüchliche) Forderung der inklusiven Eingliederung in die Arbeitswelt entsprechend der individuellen Möglichkeiten und Potentiale. Doch welche Anforderungen werden an diesen inklusiven Übergang gestellt und was ist ein inklusiver Übergang eigentlich? Welchen Herausforderungen müssen die pädagogischen Fachkräfte begegnen und welche Handlungsoptionen bieten sich? Wie kann ein Einstieg in die Arbeitswelt im Kontext von Inklusion für alle Jugendlichen gelingen? Anhand von Qualitätskriterien inklusiver Berufsorientierung und inklusiver Bildungsprozesse in der beruflichen Bildung sollen diese Fragen gemeinsam diskutiert und mit dem Ziel der Ableitung praktischer Handlungsmöglichkeiten im Austausch weiterentwickelt werden.

- Jan Jochmaring (TU Dortmund), Dr. Lena Nentwig (TU Dortmund), Dirk Sponholz (Universität Koblenz-Landau)

8. PRAXISBAUSTEIN – Anerkannte und standardisierte berufliche Bildung in sächsischen WfbM

PRAXISBAUSTEIN ist ein Verfahren zur anerkannten beruflichen Qualifikation in WfbM in Sachsen. Menschen mit Behinderung, die im Rahmen des Eingangsverfahrens/ Berufsbildungsbereiches eine berufliche Bildung in einer WfbM absolvieren, können einen anerkannten beruflichen Abschluss erwerben. Auf der Grundlage eines Rahmenvertrages erkennen Handwerkskammer und IHK in Sachsen die Bildungsabschlüsse mit einem Zertifikat an. WfbM, die ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Zertifikat überreichen wollen, müssen für PRAXISBAUSTEIN zugelassen sein. Das Zulassungsverfahren wird von zwei Zertifizierungsunternehmen angeboten. Insgesamt stehen 71 Praxisbausteine in 11 Praxisfeldern für die berufliche Bildung in WfbM zur Verfügung. Die Lehrpläne sind standardisiert auf der Grundlage von gesetzlich erkannten Ausbildungsplänen. Standardisierte Dokumentationsunterlagen und Leistungsfeststellungen sind Bestandteil des Verfahrens. Der Freistaat Sachsen fördert seit April 2017 das Folgeprojekt, in dem die Implementierung von PRAXISBAUSTEIN in den WfbM flächendeckend vorangetrieben werden soll, die Lerninhalte evaluiert und Praxisbausteine für weitere Praxisfelder entwickelt werden. Im Workshop wird Ihnen das Verfahren PRAXISBAUSTEIN einschließlich seiner praktischen Umsetzung in einer WfbM vorgestellt.

- Beate Seichter (Kontaktstelle PRAXISBAUSTEIN - Diakonisches Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens e.V., Radebeul), Stefanie Groß (Lebenshilfewerk Annaberg e.V., Annaberg-Buchholz)

9. Andere Leistungsanbieter - neue Chancen der beruflichen Teilhabe!?

Andere Leistungsanbieter AL von Werkstatt-Leistungen (gem. § 60 SGB IX) sollen die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderung ab 2018 bundesweit verbessern. Dadurch sollen Menschen mit Behinderung Alternativen zu einer Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) eröffnet werden – insbesondere in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat ein Fachkonzept erarbeitet, auf dessen Grundlage AL im Eingangsverfahren/Berufsbildungs-Bereich zugelassen werden sollen. In manchen Bundesländern gibt es auch verstärkte Bemühungen der Sozial-Verwaltungen für die Eingliederungshilfe/Arbeitsbereich, solche Anbieter Realität werden zu lassen. Bis Sommer 2019 sind erst 13 AL von Kostenträgern anerkannt worden – überwiegend von der Agentur für Arbeit. Wie ist der aktuelle Stand der Umsetzung? Welche Möglichkeiten oder Hindernisse haben sich seit dem 1.1.18 gezeigt? Was kann interessierten Anbietern geraten werden? Dies soll im Workshop mit Vertreter_innen der Leistungsträger besprochen und geklärt werden.

- Manfred Becker (IFD / Kölner Verein, Köln), Achim Ciolek (Hamburger Arbeitsassistenz), Gäste: Yvonne Streit (Bundesagentur für Arbeit), Monika Labruier (ProjektRouter, Köln), Gäste: Yvonne Streit (Bundesagentur für Arbeit), Sven Grunert (Kommunaler Sozialverband Sachsen, FB 2 – Sozialhilferecht, Leipzig)

19.30 Uhr: Abendessen

22.00 Uhr: „Unterhaltungsprogramm / Disco!“

 

Hauptkonferenz Freitag 22.11.2019

09.00 – 11.00 Uhr: Präsentation und Diskussion

1. Tagungsbegleitende Kreativ-Workshops III (inklusiv)

Es stehen vier tagungsbegleitende Workshops zur Auswahl: ein Film-Workshop, ein Theater-Workshop, ein Musik-Workshop und ein Kreativ-Workshop. Sie finden parallel zu den anderen Angeboten während der Tagung statt (Mittwoch bis Freitag). Am Freitag werden die Workshopergebnisse beim Abschlussforum präsentiert. Die Workshops sind für alle Tagungsteilnehmenden offen. Die Teilnahme am Film- bzw. Theater-Workshop nur während einer der drei Workshopphasen ist nicht möglich. Theater- und Filmworkshop arbeiten auch während der Plenumsveranstaltungen am Donnerstag.

- Silke Baltzer und Doris Ebert (ACCESS Integrationsbegleitung Erlangen-Nürnberg-Bamberg), Robert Kruschel und David Jahr (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Christoph Kaiser (Schauspieler u. Theaterpädagoge) und Eleonore Frölich (Comeniusschule Schwetzingen), Josua Mette und Sebastian Pitz (spectrum e.V.) und Doris Haake (Mensch zuerst, Hamburg), Angelika Thielicke (spectrum e.V./ BAG UB)

2. „Küss den Frosch - Eine Einführung in den Business-Knigge in Leichter Sprache“

„Mit guten Manieren geht alles besser“. Gute Manieren sind wichtig. Der erste Eindruck zählt, egal ob beim Bewerbungsgespräch oder im privaten Umfeld. Wer nicht weiß, wie man sich benehmen muss, fällt schnell negativ auf und wird abgeschrieben. Diese Erkenntnis haben wir auch in das Curriculum unseres Projekts „Fachkraft Leichte Sprache“ mitgenommen. Projektziele sind, eine Weiterbildung mit dem Schwerpunkt Leichte Sprache für Menschen mit geistiger Behinderung bzw. Lernschwierigkeiten zu entwickeln, die Qualifizierungsmaßnahme dann in einer Pilotphase zu testen und sie nachhaltig auf dem allgemeinen Berufsbildungs- und Arbeitsmarkt zu verankern. Das Projekt möchte den Bedürfnissen der Zielgruppe gerecht werden und gleichzeitig nicht die Anforderungen des Arbeitsmarktes aus den Augen verlieren. Dies ist eine zentrale Herausforderung. Menschen mit und ohne geistiger Behinderung bzw. Lernschwierigkeiten entwickeln die Weiterbildungsinhalte gemeinsam. Die Weiterbildung enthält zu 50% Wissen und praktische Anwendung im Bereich der Leichten Sprache und zu 50% Befähigung zu alltäglichen Büroarbeiten. Die Inhalte zur Weiterbildung im Bereich Büro wurden den Rahmenplänen des_der Kaufmanns_frau für Bürokommunikation und des Fachpraktikers für Büromanagement entnommen. Gute Manieren im Sinne eines Business-Knigge tauchen im Rahmen der Weiterbildung im Themenblock der Leichten Sprache auf. Neben der Ausbildung zum Prüfer_in enthält dieser inhaltliche Block auch Themen wie Empowerment und andere wichtige Themen des ersten Arbeitsmarktes. Mit dem inklusiven Workshop „Küss den Frosch- Eine Einführung in den Business-Knigge in Leichter Sprache“ möchten wir zum einen auf die Transformation aufmerksam machen, die Menschen durchwandeln müssen, wenn sie von der Werkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt wechseln und zum anderen darauf aufmerksam machen, dass sich auch dieses Thema inklusiv erarbeiten und umsetzen lässt.

- Brigitte Dempf, Veronika Hager, Sabrina Scholl und Julia Hesse (CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH, Projekt Fachkraft Leichte Sprache)

3. Qualität durch Dialog auf Augenhöhe - Kundinnen und Kunden reden mit!

Wer nach tatsächlicher Ergebnisqualität sozialer Dienstleistungen fragt, kommt an der Einbeziehung von Nutzerinnen und Nutzern nicht vorbei. Und wer nachhaltig Qualität entwickeln möchte, muss tiefgehender fragen, als ausschließlich die allgemeine Zufriedenheit von Kundinnen und Kunden zu erheben. Bei nueva wird die Qualität aus Nutzersicht im Detail beschrieben. Dabei definieren diese selbst, was aus ihrer Sicht Qualität ausmacht. In speziellen Peer-to-Peer Befragungen wird den Beteiligten ermöglicht, klar zu beschreiben, wie sie die Betreuung und Assistenz tatsächlich erleben. Mit Hilfe von bildgestützten Befragungen und offenen Beobachtungen werden jene Zielgruppen erfolgreich mit eingebunden, die an verbalen Erhebungen sonst nicht teilnehmen können. Im Rahmen des Workshops werden Sie das nueva-Verfahren kennenlernen und erfahren, wie man die Wirksamkeit eines Angebotes messen und nachhaltig verbessern kann. Gelangen Sie zu neuen Ideen und Impulsen zur Qualität sozialer Dienstleistungen aus Kundensicht.

- Nicole Rackwitz, Björn-Sven Mueller (GUT GEFRAGT gGmbH, Hamburg)

4. Aus der Praxis - Fragen zum Reha-Recht

Das Reha-Recht ist ein sehr komplexes Rechtsgebiet, das nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Praktiker_innen vielfach ratlos zurücklässt. Im Rahmen des Workshops sollen Rechtsfragen behandelt werden, die in der praktischen Arbeit zu Problemen und Schwierigkeiten führen. Ziel dabei ist, nicht nur auf die rechtlichen Grundlagen einzugehen, sondern auch Lösungswege und Strategien im Rahmen des geltenden Rechts zu behandeln, sowie einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Die Fragestellungen können sich sowohl auf die Leistungsanbieter als auch auf die Leistungsnehmer_innen bzw. Antragsteller_innen beziehen.

- Jens Hansen (vormals Zentrale der Bundesagentur für Arbeit)

5. Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) im zweiten Jahr - Erfahrungen, Peer

Counseling und Beratungsthemen Die EUTB´s arbeiten im zweiten Jahr. Die Methode des Peer Counseling hat sich in vielen Beratungsstellen etabliert. Der Workshop bietet einen Überblick über die Peer Counseling Methode und stellt unterschiedliche Anwendungsbereiche vor. Es wird eine Übersicht über häufige Beratungsanliegen der Ratsuchenden gegeben. Ein Schwerpunkt des Workshops liegt dabei auf Fragen der Teilhabe am Arbeitsleben. Wir gehen der Frage nach, wie in diesen Beratungsstellen die Selbstbestimmung und das Empowerment behinderter Menschen gestärkt und gefördert werden. Die EUTB sind mittlerweile auch gut in der Region vernetzt – oft auch mit den Integrationsfachdiensten. Welche Synergieeffekte können hier zukünftig genutzt werden?

- Barbara Vieweg (Jenaer Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen e.V.), Alexander Kiesewetter (Landesverband ISL Thüringen e.V.)

6. Freizeitverhalten und soziale Kontakte – ein Thema der Unterstützten Beschäftigung?

„Erholung ist die Würze der Arbeit“ wusste schon der griechische Philosoph Plutarch. Dass die Gestaltung eines Ausgleichs zur Arbeit mit positiv erlebten Freizeitaktivitäten und sozialen Kontakten manchmal schwerfällt, schildern die UB-Beschäftigten in Gruppensituationen und im Einzelkontakt mit Fachkräften. Nicht selten überträgt sich eine dadurch entstehende Unzufriedenheit auch auf das Arbeitsleben. Was brauche ich, um mich nach einem anstrengenden Arbeitstag erholen zu können? Welche Freizeitangebote in meiner Umgebung kann ich nutzen? Wie finde ich Kontakt zu Gleichgesinnten? Und wie gewinne ich neue Freunde? Die Klärung dieser Fragen ist neben der arbeitsplatzbezogenen Qualifizierung von hoher Bedeutung, wenn es darum geht, eine langfristige Zufriedenheit im Arbeitsleben sicherzustellen. Das Referententeam wird über Erfahrungen mit entsprechenden Anliegen der UB-Beschäftigten berichten und Möglichkeiten aufzeigen, diese Themen sowohl im Rahmen der Projekttage während der individuellen betrieblichen Qualifizierung zu bearbeiten als auch für Beschäftigte in der Berufsbegleitung aufzugreifen. Außerdem bietet der Workshop Gelegenheit, sich über eigene Beobachtungen zum Freizeitverhalten der UB-Beschäftigten auszutauschen und gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln, welche Angebote auf dem Weg zu einem guten Gleichgewicht zwischen Arbeitsleben und Freizeitgestaltung sinnvoll sein können.

- Torsten Becker (Integrationsfachdienst Bremerhaven/ Wesermünde), Katharina Rump (Integrationsfachdienst Bremen GmbH)

7. Die Individualreise in der beruflichen Rehabilitation - Individuelle betriebliche Wege als Alternativangebote zur WfbM

*Personenzentrierung *Persönliches Budget *Job Coaching *Betriebliche berufliche Bildung und Arbeit *Budget für Arbeit *Unterstützte Beschäftigung, *Berufsbegleitung *Assistenzleistungen:
Drei Träger, die das Gleiche anbieten, aber sich doch unterschiedlich entwickeln:

Im Mittelpunkt steht der Mensch und wir stellen uns gemeinsam die Frage, wo soll die Reise hingehen? Das ist in Venne, Aurich und Wolfenbüttel gleich. Wir arbeiten mit dem persönlichen Budget und wollen, dass der/die Teilnehmer_in die Reise bestimmt. Das gemeinsame Ziel ist die Beschäftigung, in der Regel auf dem ersten Arbeitsmarkt und sozialversicherungspflichtig. Auch die Vorbereitung findet bereits auf dem ersten Arbeitsmarkt, in Firmen und Betrieben in der Nähe des Wohnortes unserer Teilnehmer_innen, statt. Unsere Angebote, also Refinanzierungsüberschriften, umfassen: Zuverdienst, Eingangsverfahren/Berufsbildungsbereich sowie Arbeitsbereich der Werkstatt (aber im Betrieb), Unterstützte Beschäftigung (Individuelle betriebliche Qualifizierung und Berufsbegleitung), Assistenzleistungen und Jobcoaching. Die Methode ist immer die gleiche, „Unterstützte Beschäftigung“, also das Konzept (Supported Employment), nicht nur die Maßnahme nach § 55 SGB IX. Aber wie wir im Detail die Begleitung organisieren, wie wir es schaffen mit den Leistungsträgern die Zielvereinbarungen zu schließen, ist durchaus unterschiedlich. Auch die Frage, ob und wie wir als anderer Leistungsanbieter nach § 60 SGB IX tätig werden, ist eine Frage, die wir noch nicht abschließend beantwortet haben. Was wir konkret machen und wie wir die individuellen betrieblichen Angebote zum Teil sehr unterschiedlich umsetzen, stellen wir gern in dem Workshop vor. Wir freuen uns auf Ihre Fragen und auf eine lebhafte Diskussion.

- Alexander Wiesbach (Experte in eigener Sache), Jürgen Linnemann (Initiative sinnvolle Arbeit/ ISA, Venne), Carsten Grotebrune (Ostfriesische Gesellschaft Aurich, Beruflicher Integrationsdienst/ BID), Uwe Rump-Kahl (DRK-inkluzivo Wolfenbüttel, Fachdienst zur beruflichen Eingliederung/ FBE)

8. Übergang Schule Beruf - Erfolge in strukturschwachen Gebieten: Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Berufsbegleitung in Brandenburg

Erfahrungen und Ergebnisse aus folgenden Schwerpunkten, Ausrichtungen und Inhalten werden vorgestellt und diskutiert:

- Mareike Hinz & Nicole Zollmann (IFD Land Brandenburg)

9. miTAS-Projekt - Präsentation und Praxisbeispiele des multimedialen individuellen Trainings- und Arbeitsassistenz-System

Das Projekt hat zum Ziel, die Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachhaltig zu bessern. Unterstützend dabei kommt der Einsatz eines mobilen Systems zum digital gestützten, multimedialen Lernen und Trainieren von praktischen Handlungsabläufen in beruflichen Ausbildungs- und Arbeitsprozessen zum Einsatz. Zielgruppe sind insbesondere Jugendliche und Erwachsene mit Lernschwierigkeiten oder mit Autismus-Spektrum Störungen (ASS), die sich in einer Berufsausbildung, einer berufsbildenden Maßnahme, in einem beruflichen Qualifizierungsprozess oder bereits in Arbeit befinden. Der wesentliche Projektinhalt besteht in der Entwicklung einer didaktischen, pädagogischen und organisatorischen Anwendungsmethodik in der beruflichen Qualifizierung und im betrieblichen Einsatz, der entsprechenden konzeptionellen Erweiterung, Anpassung und Weiterentwicklung der mobilen Applikation sowie der Erprobung und Evaluation des Gesamtsystems. Die multimediale Applikation wird so konzipiert, dass sie branchenübergreifend für verschiedenste Einsatzbereiche (Hauswirtschaft, Lager, Küche, u.v.m.) und für alle in einzelne Arbeitsschritte zerlegbaren Arbeitsprozesse eingesetzt werden kann. Kerngedanke der Projektidee ist, dass die Qualifikantinnen und Qualifikanten ihre Lerninhalte (Folge von Arbeitsschritten als Fotos, Video-Clips, Texte, Audio-Aufnahmen) selbstständig oder in Kooperation mit Ausbildern, Job Coaches oder Kolleginnen und Kollegen individuell erstellen, so dass sie die Inhalte während ihrer eigentlichen Tätigkeitsausübung abrufen können. Sie haben somit einen zusätzlichen oder alternativen Lernzugang zum Arbeits-/Ausbildungsinhalt und aufgrund der Flexibilität des Systems eine langfristige Unterstützung im späteren Berufsleben. Dieses Vorhaben läuft insgesamt drei Jahre (seit Oktober 2018) und wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den Europäischen Sozialfonds.

- Delia Ramcke und Lars Winter (Hamburger Arbeitsassistenz)

11.00 Uhr – 11.30 Uhr: Pause

11.30 Uhr – 12.30 Uhr: Abschlussforum - "Machen. Wir!“ – Unterstützte Arbeitnehmer_innen präsentieren Ergebnisse der tagungsbegleitenden Kreativ-Workshops

Moderation: Robert Gießelmann (spectrum e.V. Marburg)

12.30 Uhr – 13.30 Uhr: Mittagsimbiss