Projekt: „Zeit für Arbeit!“ Arbeitsweltbezogene Teilhabe in Betrieben und im Sozialraum für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf

Logo Aktion MenschDie Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung (BAG UB) hat im Januar 2015 das Projekt „Zeit für Arbeit!" gestartet. Das Modellprojekt wird durch die Aktion Mensch gefördert.

Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung und Verbreitung arbeitsweltbezogener, betrieblich und sozialräumlich ausgerichteter Teilhabeangebote für Menschen mit  komplexem Unterstützungsbedarf voranzubringen.
Laufzeit des Projekts ist Januar 2015 bis Dezember 2017.

Bei dem Projekt steht die folgende Frage im Mittelpunkt:

Wie kann arbeitsweltbezogene Teilhabe in Betrieben und im Sozialraum auch für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf erreicht werden?

Bei der Zielgruppe unseres Projekts handelt es sich größtenteils um Menschen mit schwerster und/oder Mehrfachbehinderung, die in den Tages(förder)stätten Angebote erhalten. Diese Personen benötigen umfangreiche und fachlich gut abgestimmte Unterstützung, um gleichberechtigt am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft teilhaben zu können.

Das Ziel unseres Projekts ist es, für diesen Personenkreis arbeitsweltbezogene Teilhabeangebote, die in Betrieben bzw. im Sozialraum stattfinden, neu zu erschließen, Praxiserfahrungen auszuwerten und die Ergebnisse bundesweit zu verbreiten. Denn: Personen, die nach Einschätzung der Leistungsträger kein sogenanntes „Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit“ erzielen können, haben derzeit keinen Anspruch auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in einer WfbM (§ 136 Abs. 2 SGB IX) Eine Kompetenzanalyse und individuell abgestimmte Arbeitserprobung im Übergang Schule – Beruf – wie sie z.B. Bestandteil schulischer Berufsvorbereitung sowie des Eingangsverfahrens und des Berufsbildungsbereichs der WfbM ist – findet demnach für diesen Personenkreis nur selten statt. Die Personen wechseln oftmals direkt von der Schule in die Tagesstätte, deren Auftrag keine Angebote zur Teilhabe am Arbeitsleben für diese Zielgruppe beinhaltet.

Daher gibt es für diese Personengruppe nach wie vor in weiten Teilen Deutschlands keine oder nur unzureichende arbeitsweltbezogene Teilhabeangebote. Das betrifft sowohl Angebote der Berufsorientierung, der arbeitsweltbezogenen Bildung sowie der dauerhaften arbeitsweltbezogenen Tätigkeit. Teilhabeangebote, die in Betrieben bzw. in Kooperation mit Auftraggeber_innen im Sozialraum stattfinden, sind für diesen Personenkreis bislang flächendeckend kaum vorhanden.

Wer aber kein Recht auf die Teilhabe am Arbeitsleben außerhalb von Einrichtungen hat, wird von einem wesentlichen Bereich des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen. Dies widerspricht den Grundsätzen der UN-Behindertenrechtskonvention. Für diese Zielgruppe besteht also hoher Handlungsbedarf.

In dem Projekt geht es dabei nicht primär darum, dem Personenkreis den Einstieg in reguläre Erwerbsarbeit, also eine monetär vergütete Tätigkeit zu ermöglichen mit dem Ziel, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Ziel von Personen mit komplexem Unterstützungsbedarf ist es in den meisten Fällen vielmehr, ohne Leistungsdruck am Arbeitsleben teilzuhaben, nach individueller Möglichkeit zu lernen und mitzumachen, das Arbeitsleben außerhalb von Sondereinrichtungen kennenzulernen mit allem, was dazugehört. Daher geht es im Projekt vor allem um die Organisation und Konzeptionierung von betrieblichen, niedrigschwelligen Teilhabeangeboten, die dem Leistungsvermögen und den Teilhabewünschen der Zielgruppe angemessen sind. Dabei werden insbesondere Konzepte und Methoden der Persönlichen Zukunftsplanung und der Sozialraumorientierung berücksichtigt.

Solche personenzentrierten, betrieblich ausgerichteten Teilhabeangebote für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf (Zielgruppe nach § 136 Abs. 2/3 SGB IX) sind im Rahmen des Projekts an fünf Standorten in verschiedenen Bundesländern entstanden und werden während der Projektlaufzeit weiterentwickelt. Die Projektpartner sind

  • Leben mit Behinderung Hamburg
  • der Arbeiter-Samariter-Bund Bremen
  • die Spastikerhilfe Berlin
  • die Lebenshilfe Gießen und
  • die Lebenshilfe Worms.

Die ambulanten Teilhabeangebote sollen die verschiedenen Lebensphasen der Menschen mit Behinderung berücksichtigen. Je nach Möglichkeiten der regionalen Projektpartner werden demnach Leistungen zur berufsbezogenen Teilhabeplanung, zur beruflichen Bildung und zur dauerhaften Arbeitstätigkeit in einem betrieblichen Umfeld entwickelt werden. Das Ziel des Projekts besteht also darin, das Angebotsspektrum für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf an den fünf Standorten und damit die Wahlmöglichkeiten der Zielgruppen konkret zu erweitern. Durch die Vernetzung und gemeinsame Konzeptarbeit der Anbieter wird zudem eine hohe fachliche Qualität der Angebote gewährleistet.

Darüber hinaus ist es das Ziel des Projekts, durch Evaluation und Dokumentation der Projektergebnisse den Aufbau arbeitsweltbezogener, betrieblich ausgerichteter Teilhabeangebote für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf auch bundesweit zu fördern. Die Projektergebnisse, insbesondere die Erfahrungen während der praktischen Erprobung, werden dokumentiert und einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht.

Kernstück des Projektabschlusses wird ein überregional anwendbares Fachkonzept mit Qualitätskriterien und einer Vielzahl von best-practise-Beispielen sein, das die erforderlichen Schritte beim Aufbau arbeitsweltbezogener Teilhabeangebote für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf beinhaltet.