„Zeit für Arbeit!“: Aktuelle Fragestellungen und Herausforderungen

Die Entwicklung neuer Teilhabeangebote ist für Leistungsanbieter eine Herausforderung – vor allem dann, wenn die Leistungsanbieter Neuland betreten, weil es für das neue Angebot bundesweit noch keine leistungsrechtliche Grundlage gibt.

Hier haben wir eine erste Übersicht von Fragestellungen und Herausforderungen erstellt, die sich bislang für die Projektpartner gestellt haben. Sie zeigt nur einen Ausschnitt der Themenbereiche, die im Rahmen des Projekts „Zeit für Arbeit!“ diskutiert und weiterentwickelt werden.

Die Übersicht beinhaltet keine Antworten, sondern gibt einen ersten Einblick, wie vielfältig die zu behandelnden Themenbereiche sind, wenn Leistungsanbieter sich mit Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf auf den Weg in betriebliche Teilhabemöglichkeiten und in den Sozialraum machen.  

  • Wie kann ein etablierter Leistungsanbieter eine institutionell orientierte Unternehmenskultur für den personenzentrierten Ansatz öffnen und (fortlaufend) weiterentwickeln?
  • Was brauchen die Beteiligten dafür? (Leitung, Team, Teilnehmende/Klient_innen)
  • Wie lässt sich die Finanzierung einer Persönlichen Zukunftsplanung schon während der Schulzeit erreichen?  
  • Wie kann der Übergang Schule - Beruf für diese Zielgruppe verbessert werden? (Stichwort: Kooperation mit Schulen)  
  • Personenzentrierte Angebote (z.B. Persönliche Zukunftsplanungen oder 1:1 Begleitungen bei Angeboten außerhalb der Einrichtung) bedeuten einen höheren personellen Aufwand – wie kann das langfristig wirkungsvoll begründet, finanziert und realisiert werden?
  • Wie können – bei gleich bleibenden Kostensätzen - betrieblich/sozialräumlich ausgerichtete Teilhabeangebote in größerem Umfang für eine Zielgruppe entwickelt werden, die zu einem sehr hohen Prozentsatz aus Rollstuhlfahrer_innen besteht? 
  • Wie kann eine Entlohnung der Tätigkeit der Beschäftigten ermöglicht werden, wenn die Beschäftigungsgeber eine Entlohnung anbieten bzw. offensichtlich ist, dass ein „Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit“ erreicht wird?  
  • Über welche zusätzlichen Kompetenzen müssen geeignete Fachkräfte für sozialräumlich ausgerichtete Teilhabeangebote verfügen? Wie kann sichergestellt werden, dass diese vorhanden sind
  • Welche Fragen zur Arbeitssicherheit sind unbedingt zu beachten, wenn Mitarbeiter_innen der Tagesstätten mit ihren Beschäftigten in Betriebe und in den Sozialraum gehen?  
  • Wie ist konsequent personenzentrierte Hilfeplanung für Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf machbar? (Feststellung von persönlichen Wünschen, Zielen und Unterstützungsbedarfen z.B. bei nicht sprechenden Personen)  
  • Welche Methoden kommen bereits zum Einsatz oder sollten zielgruppengerecht weiterentwickelt werden, damit individuell passende betriebliche bzw. sozialräumliche Teilhabeangebote wirksam vorbereitet werden können? (Z.B.: Erstgespräche; Persönliche Zukunftsplanung; „Schnuppern“ in Tätigkeitsbereichen oder Tagesstätten und bei externen Auftraggebern; Materialerfahrungen machen; Einsatz des Ich-Buches)
  • Welche Themen der Team- und Mitarbeiter_innen-Entwicklung sind beim Ausbau von Teilhabeangeboten außerhalb der Einrichtung zu beachten? (Z.B.  eines von vielen wiederkehrenden Themen: innerer „Erlauber“ für die Mitarbeiter_innen, die ihre Kolleg_innen mit der Gruppe in der Tagesstätte „zurücklassen“)  
  • Wie kann die Tages- und Wochenstruktur eines vollständig ambulanten, individuell ausgerichteten, arbeitsweltbezogene Teilhabeangebots aussehen? Welcher Stundenumfang ist jeweils individuell sinnvoll und machbar?
  • Wie kann das organisiert und mit den angrenzenden Unterstützungs- und Teilhabeangeboten (Freizeit, Wohnen, Pflege) abgestimmt werden?  
  • Welche Schritte sind ratsam bzw. erforderlich, um eine Anerkennung / Genehmigung neuer, ambulanter Leistungsformen bei der Behörde zu erreichen? 
  • Wie ist für Leistungsanbieter angesichts knapper zeitlicher und personaler Ressourcen die Dokumentation von Praxiserfahrungen und best practise-Beispielen machbar?