Fachkompetenz in Unterstützter Beschäftigung

Vom 01. Januar 2011 bis 30. Juni 2014 führte die BAG UB das Projekt „Fachkompetenz in Unterstützter Beschäftigung“ durch. 
Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert.

 

Die Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung“ besteht aus individueller betrieblicher Qualifizierung (InbeQ) und ggf. anschließender Berufsbegleitung. Sie wurde im Dezember 2008 im Sozialgesetzbuch IX verankert und ist seither fester Bestandteil des Leistungsspektrums für Menschen mit Behinderung zur Teilhabe am Arbeitsleben. Die ersten Maßnahmen starteten im Mai 2009.

Die Zielsetzungen dieser neuen Leistung sind:

  • Mehr Menschen mit Behinderung sollen die Möglichkeit haben, außerhalb von Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) zu arbeiten.
  • Die Unterstützung durch den Leistungserbringer erfolgt individuell und unmittelbar am Arbeitsplatz in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes und in direktem Kontakt mit betrieblichen Vorgesetzten und Kollegen/Kolleginnen (Job Coaching).
  • Die individuelle betriebliche Qualifizierung und die Berufsbegleitung behinderter Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf auf Arbeitsplätzen in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes werden sichergestellt.

Ziel des Projektes war die Mitwirkung an dem in den Gemeinsamen Empfehlungen genannten Ziel „ein einheitlich hohes Niveau der Leistungserbringung zu erreichen“. Dazu wurde die Umsetzung der in § 38a SGB IX definierten Leistungen „Unterstützte Beschäftigung“ fachlich begleitet. Das Projekt richtete sich an Akteure der Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung“ (UB) und ihre Praxiserfahrungen im Rahmen der Leistungserbringung.

Es gab folgende Projektbausteine:

Fachaustausch
Die Maßnahme UB war zu Projektbeginn für viele Akteure der Maßnahme ein neues Instrument und beinhaltet neue Methoden und Herangehensweisen. Die Organisation und Durchführung von Fachforen war ein wesentlicher Baustein des Projektes. Das Ziel der Veranstaltungen war der Fachaustausch, die Reflektion der Praxiserfahrungen und die Vernetzung der regionalen Akteure. Der Austausch erfolgte regelmäßig und hatte mit einer breiten Themenpalette einen hohen Praxisbezug. Eingeladen wurden die VertreterInnen der UB- Leistungsanbieter und die UB-Leistungsträger. Die Ergebnisse der Fachforen wurden festgehalten und im projekteigenen Fach-Informations-Pool ( www.bar-frankfurt.de/fip.html) veröffentlicht.

Fach-Informations-Pool
Ein internetgestützter Fach-Informations-Pool (FIP) wurde auf der Homepage der BAR (anknüpfend an die Zuständigkeit der BAR für die Gemeinsamen Empfehlungen nach § 38a SGB IX) als Leistungsträger übergreifender Organisation eingestellt (www.bar-frankfurt.de/fip.html). Auf dem Fach-Informations-Pool stehen relevante Projektinformationen, die sich aus den Projektaktivitäten und der Rückmeldung aus der Praxis ergaben und von den ProjektmitarbeiterInnen der BAG UB aufbereitet wurden.

Didaktisch-methodische Materialien
Ziel dieses Bausteins war es zum einen die vorliegenden Praxiserfahrungen in der Nutzung von geeigneten Materialien zu sammeln und für andere zugänglich zu machen und in einem weiteren Schritt noch fehlende Materialien zu erstellen. Für die Erstellung dieser im Projektverlauf entstandenen sechs Themenhefte wurden jeweils AutorInnen aus der Praxis gefunden, die Erfahrungen mit der UB und/oder Vorläufermodellen besitzen. Folgende Hefte entstanden zu den Themen:

  • „Alle an Bord!“ - Gespräche führen im Kontext der UB
  • „Hier stehe ich im Mittelpunkt!“ - Personenzentriertes Denken und Handeln in der UB
  • „Raum ist Beziehung“ - Sozialraumorientierung und UB
  • „Vielfalt wahrnehmen und anerkennen“ - Migration und UB
  • „Bildung inklusive“ - Projekttaggestaltung im Kontext von UB
  • „Inklusion und berufliche Teilhabe kooperativ gestalten!“ - Leitlinien und Handlungsansätze zur Organisationsentwicklung für Leitungs- und Fachkräfte

Interviews/Betriebliche Beispiele
Ein Anliegen innerhalb des Projektes war es, die Erfahrungen und Sichtweisen von Teilnehmenden der Maßnahme UB, von ArbeitgeberInnen und von betrieblichen Anleitungspersonen zu erfragen und beispielhaft zu dokumentieren. Schwerpunkte waren neben der betrieblichen Qualifizierung der Übergang in die Berufsbegleitung und die dortige Unterstützung. Neben der Beschreibung von betrieblichen Beispielen einer gelungenen Integration sollten auch mögliche Hemmnisse und zukünftige Erfordernisse thematisiert werden. Dazu wurden Interviews mit den ArbeitgeberInnen, den Fachkräften der UB und den unterstützten ArbeitnehmerInnen geführt und auf dem Fach Informations-Pool (www.bar-frankfurt.de/fip.html) veröffentlicht.

Film
Auf Anregung des BMAS wurden im Rahmen des Projektes zwei kurze Filme (Film A etwa 3 Minuten Lauflänge, Film B etwa 12 Minuten Lauflänge) erstellt, die über das Thema Unterstützte Beschäftigung und die Besonderheiten, insbesondere über die Methode des Jobcoaching informieren. Die Rückmeldungen aus der Praxis belegten, dass zu diesem für viele Beteiligte relativ neuen Instrument der Unterstützung am Arbeitsplatz ein großer Informations- und Aufklärungsbedarf besteht. Durch das Medium Film wird eine praxisnahe Möglichkeit der Veranschaulichung geboten.
Die längere Fassung des Films steht auch in Gebärdensprache mit Untertiteln und in Leichter Sprache zur Verfügung. Die Filme sind u.a. über den Fach-Informations-Pool, die Homepage der BAG UB und die Homepage des BMAS anzusehen. Die Filme stehen zum Download bereit und bieten damit einen niedrigschwelligen Zugang zur Nutzung.

Informationsbroschüre Unterstütze Beschäftigung mit dem Persönlichen Budget
Das Persönliche Budget stellt eine besondere Art der Finanzierung z.B. der Unterstützten Beschäftigung dar. Um hierüber zu informieren wurde eine Broschüre erstellt. Das Ziel der Broschüre war es, eine Handreichung über die UB und die Nutzung des Persönlichen Budgets (z.B. im Übergang Schule - Beruf) als eine informative Quelle für Lehrkräfte, Eltern und SchülerInnen. In dieser Broschüre finden sich die wichtigsten Informationen zur Maßnahme Unterstützte Beschäftigung nach § 38a SGB IX. Es wird beschrieben, wie man die Unterstützte Beschäftigung mit einem Persönlichen Budget nutzen kann. Diese Broschüre wurde durch „Mensch zuerst“ in Leichte Sprache übersetzt. Die Veröffentlichung erfolgte auf dem Fach-Informations-Pool (www.bar-frankfurt.de/fip.html). Die Version in Leichter Sprache wurde als Druckversion erstellt und ist über die BAG UB erhältlich.

ArbeitgeberInnen-Veranstaltungen und Handlungsleitfaden
Die UB hat das Ziel für den Teilnehmenden ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu begründen. Der Kontakt zu ArbeitgeberInnen ist essentiell, um diesem Ziel entsprechen zu können. Ziel des Projektes war es unter anderem, ArbeitgeberInnen vom Nutzen und den Chancen der Maßnahme Unterstützte Beschäftigung zu informieren und sie zu überzeugen, entsprechende Erprobungs-, Qualifizierungs- und letztlich Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Ein Projektbaustein bestand daher darin, mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit Kontakte zu Betrieben, Kammern, Arbeitgebervereinigungen, Wirtschaftsforen etc. aufzubauen, diese Kontakte u.a. in Zusammenarbeit mit den regionalen UB-Anbietern und UB-Leistungsträgern zu erweitern und für Informationsveranstaltungen zu nutzen. Zur Planung und Umsetzung der Informationsveranstaltungen wurde im Rahmen des Projektes ein Konzept entwickelt, welches in Kooperation mit Akteuren vor Ort umgesetzt wurde. Es wurde ein Handlungsleitfaden dazu erstellt, um den UB-Leistungsanbietern und UB-Leistungsträgern die zahlreichen Erfahrungen, die im Projektverlauf gesammelt wurden zugänglich zu machen (zu finden unter www.bar-frankfurt.de/fip.html).

Bundesweite Umfrage zur Umsetzung der Maßnahme UB
Um Erkenntnisse zu teilnehmerbezogenen Angaben als auch zur Durchführung zu erfassen, wurde eine bundesweite Umfrage zur Umsetzung der Maßnahme UB bei den Leistungsanbietern durchgeführt, um damit Hinweise zur fachlichen Praxis und Weiterentwicklung zu bekommen. Die Zahlen und Aussagen der Mitgliederbefragung haben große Aussagekraft und geben wertvolle Hinweise auf gelungene Umsetzung und ebenso auf Aspekte mit Verbesserungsbedarf. Die regelmäßige Fortschreibung der bundesweiten Umfrage ist für die nächsten Jahre vorgesehen.

Arbeitsmittel für die Teilhabeplanung
§ 12 der GE UB sieht vor, dass gemeinsam mit dem Menschen mit Behinderung ein Teilhabeplan zu erstellen ist, der nicht nur das Verfahren konkretisiert, sondern auch die frühzeitige Vernetzung beim Übergang von der Individuellen betrieblichen Qualifizierung (InbeQ) in die Berufsbegleitung sicherstellen soll.
Ein spezielles Format ist nicht vorgegeben. Unter Berücksichtigung von Erfahrungen, Anregungen und Forderungen aus der Praxis im Rahmen des Projekts „Fachkompetenz in Unterstützter Beschäftigung“ wurde der Bedarf deutlich, für den Teilhabeplan standardisierte Arbeitsmittel zur Verfügung zu haben.
In Zusammenarbeit von Bundesagentur für Arbeit (BA), Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH), BAG UB und Fachkräften von ACCESS Erlangen/ Nürnberg wurden folgende Arbeitsmittel entwickelt:

  • Leistungs- und Verhaltensbeurteilung für InbeQ im Rahmen der elektronischen Maßnahmeabwicklung der BA (eM@w),
  • Beitrag zum Teilhabeplan – Vorbereitung des Planungsgesprächs
  • Beitrag zum Teilhabeplan – Ergebnis des Planungsgesprächs

Als Ergebnis dieser Entwicklung wurde ebenfalls die bestehende Dokumentationsvorgabe der BA an die Leistungsanbieter vereinfacht und in der EDV-Version der BA angepasst. Die Arbeitsmittel zum Teilhabeplan sind auf dem Fach-Informations-Pool (www.bar-frankfurt.de/fip.html) veröffentlicht.